Was bedeutet...?

„Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“
Aristoteles
Ganzheitliche Architektur
Was bedeutet ganzheitliche Architekturgestaltung?
Die Gestaltung von Architektur ist ein sehr komplexer Vorgang mit vielen Faktoren, Kriterien und Variablen. Inwieweit die miteinander vernetzten Faktoren berücksichtigt werden, hängt in erster Linie vom Entwerfer und somit von seinen Fähigkeiten, seiner Ausbildung und nicht zuletzt von seinem Welt- und Menschenbild ab.
Gewöhnliche Architektur hat heutzutage ihren Schwerpunkt in der äußeren Gestaltung der Gebäude bzw. in der Billig-Bauweise. Dabei werden alle anderen Kriterien schwer vernachlässigt oder komplett ignoriert – zum Schaden der Bauherren oder Nutzer.
Gute oder ganzheitliche Architektur berücksichtigt alle Kriterien im richtigen Verhältnis und gewährleistet so dem Bauherrn ein Maximum an Qualität und eine individuell maßgeschneiderte Lösung der Bauaufgabe.
Baubiologie und Ökologie
Baubiologie ist die Lehre von den ganzheitlichen Beziehungen zwischen den Menschen und ihrer Wohn-Umwelt. Der Baubiologe trägt zur Entwicklung einer naturgemäßen, menschenwürdigen, gesunden und sozialen Wohnumwelt bei. Alle Bereiche der Biologie (Lebewesen) und des Bauens (Wohn-Umwelt) unter der Führung des Logos (der Vernunft) greifen hier ineinander. Die Baubiologie ist eine interdisziplinäre, ganzheitliche und zukunftsorientierte Wissenschaft, die im Baugeschehen den höchsten Maßstab setzt und Pionierarbeit leistet.
Die Ökologie ist die Wissenschaft von den Beziehungen des Organismus zur umgebenden Außenwelt. Die Natur stellt sich als äußerst komplexes und sich selbst regulierendes System dar.
So befasst sich die Ökologie mit dem Naturhaushalt, dem Energie- und Stoffwechsel, den Wechselbeziehungen der Lebewesen untereinander und den unterschiedlichen Umweltfaktoren. Sie integriert Fachdisziplinen wie Biologie und Geografie.
Baubiologie und Ökologie gehören zu einer ganzheitlichen, holistischen Architekturgestaltung. So setzt die Baubiologie die Maßstäbe für eine gesunde, menschenwürdige Wohnumwelt und die Ökologie beschreibt die Integration des Baugeschehens in den Naturkreislauf von der Entstehung eines Gebäudes bis zu seinem Abriss.
Das Ganze - Holon
Die Ursprünge der ganzheitlichen Sichtweise
Die ganzheitliche oder holistische* Sichtweise der Welt und ihrer Phänomene ist sehr alt. In der Philosophie der Inder, Chinesen und Griechen - von Aristoteles, über Leibniz, Hegel bis Jan C. Smuts spielt sie eine große Rolle. Sie besagt, dass die Teile eines Ganzen isoliert für sich betrachtet nur sehr begrenzt eine Aussage über das Ganze zulassen. Will man eine tiefe Erkenntnis über das Ganze erreichen, so müssen die Teile in ihrer Abhängigkeit und Wechselwirkung untereinander betrachtet werden – sozusagen ganzheitlich.
Anders ausgedrückt: Die ganzheitliche Behandlung eines Gegenstands bedeutet eine umfassende, weitsichtige und weit vorausschauende Berücksichtigung möglichst vieler Aspekte wie Eigenschaften und Zuordnungen, erkennbare Ursprünge und Querbeziehungen, Rahmenbedingungen, Nutzenabwägungen, Anwendungs-möglichkeiten sowie Neben-, Folge- und Wechselwirkungen mit anderen Gegen-ständen.
Aus der ganzheitlichen Betrachtung leitet sich die Systemlehre von Ludwig von Bertalanffy ab, die ursprünglich als Gegenentwurf zur klassischen Physik gedacht war und die isolierte Betrachtung von Einzelphänomenen kritisierte. Da Einzelphänomene tatsächlich niemals isoliert auftreten, müssen sie in ihrer Vernetzung beschrieben werden. So untersucht die Systemlehre die Organisationsformen komplexer Wechselbeziehungen zwischen einzelnen Elementen. Sie bildet die Grundlage für Biologie, Psychologie, Soziologie und weitere Wissenschaften.
*(griech. holon – das Ganze)
